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Erster erfolgreicher Einsatz von expandierten Nabelschnurblut-Einheiten zur Behandlung von Leukämie

Dr. Colleen Delaney und seine Kollegen am Fred Hutchinson Cancer Research Center (Krebsforschungs-Zentrum) und an der University of Washington School of Medicine (Medizinischen Universität in Washington) beschreiben erstmalig den Einsatz einer Methode zur Stammzellenvermehrung aus einer Nabelschnurbluteinheit im Labor, das dann Patienten durch Infusion zugeführt wurde und zu erfolgreichen und schnellen Anwachsen [Transplantatanwachsung = Engraftment) der Stammzellen führte.

Nabelschnurblut ist eine vielversprechende Quelle für Stammzellen, um erkranktes Blut und das erkrankte Immunsystem durch Stammzellentransplantation zu erneuern, da die transplantierten Zellen nicht notwendigerweise perfekt zu denen des Patienten passen müssen. Weltweit finden über 30% der Patienten, die eine Stammzellentransplantation für eine Krebsbehandlung wie Leukämie benötigen, aufgrund mangelnder Übereinstimmung keine geeigneten Spender.

Der Einsatz von expandiertem (=vermehrtem) Nabelschnurblut könnte das Risiko eines frühen Todes enorm senken, denn dieses Risiko ist bei Patienten, die Nabelschnurblut ohne expandierte Zellen erhalten, wesentlich höher. Den Autoren zufolge sind weitere klinische Studien und technologische Fortschritte nötig, um die Wirksamkeit von Nabelschnurblut-Transplantationen mit expandierten Stammzellen zu bestätigen.

„Der wahre bahnbrechende Aspekt dieser Studie ist, dass wir zeigen konnten, dass im Labor eine Stammzellenvermehrung möglich ist. Wenn diese Stammzellen einer Person transplantiert werden, führen sie zu einem rapiden Anstieg weißer Blutzellen sowie anderer Blutbestandteile (Zellen)“, sagt Dr. Delaney.

Die neue erfolgreiche Labormethode zur Steigerung der Anzahl der Zellen aus einer einzigen Nabelschnurbluteinheit führte zu durchschnittlichen 164-facher Erhöhung der Anzahl an CD34+ Zellen, einer bestimmte Sorte von hämatopoetischen Stammzellen. Solche Zellen sind multipotent und führen zu einem Steigerung sämtlicher Arten von Blutzellen. Dr. Delaney zufolge enthält eine typische Einheit Nabelschnurblut weniger als 200.000 Stammzellen pro Kilogramm Körpergewicht des Patienten. Im Gegensatz dazu enthalten expandierte Einheiten durchschnittlich 6 Millionen CD34+ Zellen pro Kilogramm Körpergewicht, was gleichzusetzen ist mit konventionellen Quellen für Transplantationen.

Die aktuelle Studie stellt außerdem die Resultate von zehn Patienten in einer laufenden klinischen Phase-1-Studie dar, die zwei Einheiten Nabelschnurblut zur Behandlung einer akuten Hochrisiko-Leukämie erhielten. Jeder Patient erhielt eine Einheit nicht-manipuliertes Nabelschnurblut sowie eine Einheit mit im Labor expandierten Zellen. Die Forscher evaluierten die Sicherheit der Infusion von expandierten Zellen genauso wie auch die benötigte Dauer bis zur Wiederherstellung des Blutsystems, die Beständigkeit der Transplantate und welche Nabelschnurbluteinheiten am meisten zu einer erfolgreichen Transplantatanwachsung beitragen. Das Alter der Patienten reichte von 3 bis 43 Jahren.

Die bisherigen Ergebnisse zeigen, dass es im Durchschnitt 14 Tage dauerte bis die transplantierten Zellen anwuchsen, im Gegensatz zu einem Durchschnittswert von vier Wochen wenn nicht-expandierte Nabelschnurblut-Einheiten verwendet werden. Sieben von zehn Patienten sind immer noch am Leben ohne Hinweis auf Krankheit und mit nachhaltiger vollständigen Spendertransplantatanwachsung. Tests zeigen, dass die Regeneration weißer Blutzellen in der frühen Phase nach der Transplantation in erster Linie auf die expandierten Nabelschnurblut-Einheiten zurückzuführen ist.

Quelle:
Colleen Delaney et.al „Notch-mediated Expansion of Human Cord Blood Progenitor Cells Capable of Rapid Myeloid Reconstitution“ Nat Med. 2010 February; 16(2): 232.

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